Spectaculum und Festgedicht

 

Vogtshaus Oschatz in Bild und Ton

 

Spectaculum  24.10.2009


Oschatz hat einen steinalten neuen Schatz

Zahlreiche Besucher durchschritten am Samstag dem 24.10.2009 um die Mittagsstunde das kunstvoll geschmückte Rosenspalier, um die vielfältige Baukunst mit den romanischen Säulen, die spätgotischen Freskomalereien, das Renaissancefenster, die barocken Wappen und Zunftzeichen und die Jugendstildecke des neuen steinalten Schatzes in Oschatz in Augenschein zu nehmen.

Nach umfassender Restaurierung erstrahlte das Vogtshaus in neuem Glanz. Die Posaunenchöre aus Oschatz und Laas sowie der Handwerkerchor Hans Sachs bereiteten den Gästen auf dem Kirchplatz einen musikalischen Empfang für das Zeitreisefest durch die Baustilepochen.

Die mikrofonlose Ansprache des Oberbürgermeisters der Stadt, der die Besonderheit dieses Hauses von europäischem Rang den Gästen und Zeitreisenden nahebrachte, verstärkten die beiden schlagfertigen Berufsreimer "Dreyerley" aus Weimar volksverständlich ins Reimische.

Reime hagelte es auch weiter, als sich der Bischof aus Mogelin vom Pferd sattelte.

Die barocken Reifröcke der edlen geneigten Damen der Wasserschlösser Leuben und Lampertswalde, welche von Edelmännern und Rittern begleitet wurden, kehrten den Kirchplatz und gaben in ihrer Eleganz ein besonders glanzvolles Bild auf dem Fest, zumal die Damen ihr reizvolles Lächeln nicht hinter den Fächern verbargen.

Hofstaat auf dem Platz hielten außerdem der Stauferkaiser Friedrich der I., welcher nicht ganz ausgeschlafen vom Kyffhäuser anreiste, um seinen Siegelring im Haus zu suchen, dessen Fund die OAZ am 1.4.2008 ankündigte, sowie der Meißner Markgraf Otto der Reiche, der seinerzeit durch die Silberfunde bei Freiberg seinen Beinamen erwarb. Letzterer kam auf direktem Wege über die hohe Straße vom Collm und hatte dort beim Landthing für den Freispruch einiger Berghexen gesorgt, die dies dann beim Fest im Haus mit dem Stadtvogt Johan Ruten in der Vogtei ausgiebig feierten.

"Glück auf" hieß es auch für die Bergleute der Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft, die zu einer Minibergparade kamen, um zu staunen, in welch steinerne romanische Schätze man die Funde aus dem Bergwerk versilberte.

Auch der Dompropst zu Meißen und Hüter der Rose "Adela" vom Kloster Heiligkreuz hütete nicht nur die schöne Markgrafentochter.

Es hatte sich herumgesprochen, dass der schöne Wolf von Schleinitz auf der Pirsch war, dessen Vater Georg von Schleinitz, seinerzeit Besitzer des Freihauses, die spätgotische Rankenmalerei in der Fensternische des Saales hat fertigen lassen. Auch aus der Tuchmacherzunft hatte sich ein Obermeister im edlen Tuch eingefunden, dessen Büttenrede dann aber ungehört blieb.

Zu den weiteren zeitgereisten Gästen gehörten August der Starke, der vom barocken Schloss in Wermsdorf mit seiner Mätresse, der Gräfin Cosel anreiste, um die barocke Fassade des ehemaligen Tuchmacherhauses zu bestaunen.

Auch vom Renaissanceschloss Torgau kamen tanzende Abgesandte in edlen Gewändern, die den Putz auf der Nordfassade und das kunstvoll geschwungene Renaissancefenster in der karmesinroten Schwarzküche aus ihrer Zeit bewundern wollten.

Aus dem 20. Jahrhundert reiste auch die Baronin von Bültzingslöwen vom Herrensitz auf Großböhla an.

Aus Wermsdorf waren außerdem die Schokoladenmädchen zu Gast, welche den Besuchern bei dem schönem Wetter einen kalten Hund servierten.

Einen unsichtbaren warmen Hund führte Narrateau derweil über den Platz und verzauberte die Zuschauer mit Gaukelei und Feuerspucken.

Weiße Tauben erhoben sich beim Klang der Trompeten in die Lüfte, als Zeichen dafür, dass das Haus, welches immerhin 800 Jahre überdauerte, künftig in einem friedlichen Umfeld ebenfalls friedliche Menschen erfreuen möge.

Die Führerscheine für das Haus konnte man am Besiedlerstand ergattern und kam dann ungehindert an den strengen Palastwachen vorbei in das von Blumen-Liebender und der Firma Wohnromantik GmbH geschmückte Haus. Conny posierte vor der Kamera,  moderierte für den Film und interviewte die Zeitreisegäste. Die Filmer aus Dresden begaben sich in luftige Höhe, um das Fest von oben aufzunehmen.

Eine Sonderausstellung zur Tuchmacherzeit bot das Stadt- und Waagenmuseum. Die Gäste wurden baukundig geführt vom Stadtbaumeister Gert Jubisch und dem Baukundler Manfred John, die das Geschichtsbuch dieses Baudenkmals immer und immer wieder aufschlugen und nicht müde wurden, die Jahrhunderte des steinalten Baus im Detail zu erläutern.

Der Architekt Bernd Stein fungierte als Hüter der alten Kellergewölbe und übernahm später ebenfalls Führungen für die geduldigsten Gäste.

Den Fahnenschmuck an der Fassade mit dem Wappen derer von Schleinitz, wie auch den Tuch-Schmuck der Theatermeile an der Nordseite drapierte der Künstler Joachim Zehme.

Um das Haus unterwegs waren auch Alwara, die aus der Hand zu lesen versprach und die Kinder schminkte, wie auch einige Nonnen, welche sich auf die Heilkünste verstanden.

Ein fleißiger Mönch aus Hoburg verstand sich insbesondere auf das Bühnenhandwerk, wie auch viele andere Helfer.

Die Mönche auf der Theaterbühne lüfteten das Geheimnis der Nonnengasse am Franziskanerkloster und zeigten so ein lebendiges Bild der Oschatzer Geschichte vom 4. November 1488, inszeniert vom Heimatscriptorius.

Die Sachsen spiegelten sich vor der Kamera und wurden im vor Ort vom Sonntagswochenblatt verlegten "Sachsenspiegel" auf Pergament abgedruckt, was die Druckerei Arnold realisierte.

Der Familien-Bund der Raben aus Pegau gab Einblicke in mittelalterliches Handwerk, so wie dies auch der Kupferschmied Steffex vorführte, wenn der nicht gerade beim Eiermatschen beschäftigt war.

Aus luftiger Höhe konnte das Spectaculum beobachtet werden, wenn man sich in die Türmer-Kaffee-Stube von St. Aegidien begab, so wie man auch das Innere der Kirche erkunden konnte, welche erst kürzlich ihre illuminierte musikalische Festwoche feierte.

Um 15 Uhr raschelten die Gewänder der edlen Damen und Herren Zeitreisegäste durch das Haus und wurden musikalisch begleitet von den Wilden Weybern aus Dresden, welche zuvor schon auf dem Platz das Volksliedgut seit der Renaissance darboten.

An der Hausbar kredenzten Schankmaiden einen mittelalterlichen Würzwein, gemixt von der Heilerin, in Tonkrügen, die den Fundstücken nachgebildet wurden.

Die kleinen Hexlein von der Tanzgruppe im Fechtverein ruhten ihre Tanzbeine bei der Kostümführung aus und lauschten einem Kapitel Baustilkunde.

Auch die kulturhistorischen Wanderer, vom Collm her kommend, waren nicht müde, im großen Saal der alten Eiche aus dem Brandjahr 1616 ihre Aufwartung zu machen und von den Gelüsten der Müller zu singen. Im Dachgeschoss gab es das Vogtshauscafe, welches von fleißigen Maiden betrieben wurde und auch die Geschichtenschreiberin Marita Gäbler, die ihrem Schreibhandwerk nachging.

Auf der Theaterbühne sang Bernhard, der Spielmann aus der Webergasse mit Karo im Duett schöne Balladen und wurde von Daniel mit dem Didgeridoo abgewechselt.

Die historische Kaufmannsfrau Johanna Sophia Lochmann wechselte dann die Mitglieder des Vereins PaBaNa ab, welche historische Führungen auf dem Kirchplatz anboten.

Getreidemalen konnte man mit dem IKK-Drahtesel, was selbst von den kleinen Hexen rege genutzt wurde.

Für den Gaumenschmaus sorgten die Marktfleischerei Müller, die Landfleischerei Landhan, sowie das Backhaus Taube. Die Düfte aus deren Tavernen lockten die Hungrigen nur so an. Am Stand der Vinothek Arnold befeuchtete der Vogtswein ebenso die trockenen Kehlen wie bei Gambrinius Gastro aus Mügeln, wo am Ende des Spectaculums mehrere Bierfässer Leerstand meldeten.

Leckere Vogtshaus-Schokolade konnten die Gäste bei der Confiserie Punke, Teelichter mit Motiven vom Bauwerk sowie weiteres Allerlei aus Ton am Stand von Frau Forke erwerben.

Im "Rathaus" beim Heimatfreund Eckard Thiem testeten die Kreuzworträtselfreunde ihre Kenntnisse um die Oschatzer Stadtgeschichte.

Kräuterfrau Undine aus Klosterbuch bot heilende Pflanzen aus dem Klostergarten, wie auch die Klosterobst GmbH frische Äpfel feilbot. Weitere Stände unterhielten der Oschatzer Heimatverein und die Firma Ziegelhuber, sowie Kerstin Helbig vom Bücherkäfer, die zum Ausklang gemeinsam mit Eleonore Reichel aus der Stadtbibliothek im Saal eine historische Kerzenscheinlesung aus Sabine Eberts Hebammentrilogie veranstaltete.

Unser Dank gilt den Hütern des Feuers und der Polizei, die des Nächstens Streife fuhren. Ebenso bedanken wir uns bei den vielen verständnisvollen Nachbarn, insbesondere der hilfsbereiten Kirchenverwaltung, wie auch der Stadtverwaltung Oschatz und der Oschatzer Freizeitstätten GmbH für die Markthütten und der Oschatzer Wohnstätten GmbH, die den Rabenbund unterstützte und der Metall- und Maschinenbau GmbH, der Firma HB-Getränke und ganz besonders bei den vielen engagierten Helfern, die für ein rundum gelungenes Spektakel sorgten und bei der Blumenfee Ariane, die das Wasser für die Bierkrüge lieferte. Auch an die Empfangsklänge der Mittagsstunde erinnern wir uns gern. Dank den Bläsern aus Laas und Oschatz, sowie dem stimmgewaltigen Chor Hans Sachs.


Impressionen des Sonntagswochenblattes: Schauen Sie mal rein:

www.swb-ok.de/seiten/galerien/vogtshausOZ/index.html


Der Tag des offenen Denkmals! Impressionen hier! Den vielen Besuchern sei Dank!