Ein Paradies, gebaut auf Sand - Das Leben der Herzogin Elisabeth zu Sachsen

 
 
 

Elisabeth von Rochlitz, eine starke Fünfhundertjährige  hinterließ der Nachwelt, eine Kiste "unnütz Gewäsch" - unzählige Briefe, von Dr. André Thieme ediert, von der Geheimschriftkundigen Dr. Anne Simone Rous dechiffriert. Anja Zimmer wuchs unweit des Marburger Schlosses mit der Geschichte der dortigen Landesmutter Anna in Hessen auf und ging mit den Nachfahren aus der zweiten Ehe ihrer "Mitternachtsblüten"-Protagonistin zur Schule.


So führte ihre Spur nach Sachsen, wohin es seinerzeit Annas Tochter Elisabeth verschlagen hatte, die aus erbverbrüderlichen Gründen mit dem sächsischen Herzog Johann vermählt wurde. Dass die Heimführung dieser blutjungen Braut viele sächsische Adlige, darunter auch der Vogtshausbesitzer Wolfgang  von Schleinitz begleitet hatten, war bei Dr. Thieme nachzulesen. Die Geschichte dieser Ehe und Elisabeths Benehmen am sächsischen Hof, ihre Sehnsucht nach dem Abendmahlskelch, sowie die nach einem  Erbprinzen stellte uns Anja Zimmer im vergangenen Jahr mit ihrem Buch "Auf dass wir klug werden" im Vogtshaus vor.


Pünktlich zur Eröffnung der Ausstellung "Starke Frauen" in Rochlitz erschien nun ihr Roman "Ein Paradies, gebaut auf Sand", welcher das erstmals eigenständige Hofhalten der Herzogin auf ihrem Wittum in Rochlitz zum Inhalt hat, wo die revolutionäre Früh-Emanze entgegen den Ansichten ihres altgläubigen bärtigen Schwiegervaters die Reformation einführte.


Nach dessen Tod gab es  wieder eine hessische Braut, die zu einem Herzog nach Sachsen heimgeführt werden durfte und Elisabeth hatte aktiv die Verbindung zwischen dem jüngeren Lieblingscousin Moritz und ihrer Nichte Agnes aus Hessen gestiftet. 


Die Ankunft des Trosses mit 500 Pferden in Dresden hatte Sabine Ulbricht im "Fürstinnen"-Buch beschrieben und unser Stadtchronist Hoffmann überlieferte Details der vorherigen Durchreise mit Übernachtung in Oschatz, beschrieb die schmuckvoll behangenen Wagen mit Brautinhalt und berichtete von Bierfässern.  Anja Zimmer lies die Gesellschaft im Roman den Abend fröhlich durchtanzen.


Als zu Ostern im Jahr darauf Amtsvogt Jobst Riegel seinem jungen Fürsten Moritz von der kurfürstlichen Besetzung Wurzens berichtete, war dieser gezwungen, zum Krieg gegen den Ernestiner zu rüsten. Nun kritzelten sich im Schleinitzer Hof die Federn heiß. Der aus Dresden angereiste Herzog Moritz, sowie dessen Berater Georg von Carlowitz informierten die Adligen und die verbündeten Fürsten. Während zwischen Wurzen und Grimma schon ein kurfürstliches  Heer von über 12000 Fußsoldaten lagerte, zog Moritz seine zahlenmäßig unterlegenen Truppen in Oschatz zusammen, weshalb sich ob der Hartnäckigkeit des Gegners die Frequenz der schriftlichen Anforderungen erhöhte, zeitgleich der Hilferuf zum Schwiegervater nach Hessen ritt.


Landgraf Philipp eilte herbei und zur Vermittlung zwischen Grimma und Oschatz hin und her. Er war mit dem Kurfürst im Schmalkaldischen Bund, mit dem Schwiegersohn Herzog Moritz freundschaftlich verbunden und mochte gewiss auch die Ablenkung vom Moral-Shitstorm um seine Doppelehe. Nach Hoffmanns Chronik musterte Herzog Moritz auf der Viehweide am Ostersonntag 10.000 Mann mit 500 Pferden, was in einer Stadt mit nur 3.500 Einwohnern auch ohne Kriegshandlungen schon verheerende Einschnitte bedeutete, die Luft war von Lanzen zerstochen, die Landsknechte sollten gegen ihre Vettern in den Krieg ziehen, denn nicht nur die drei Fürsten, deren Mütter Schwestern waren, einten verwandtschaftlich Bande.  Auch Luther mahnte und Elisabeth fauchte ihre Briefe aus Rochlitz.


In der Schüttung der Zwischendecke des Vogtshauses harrte jahrelang eine grün glasierte Ofenkachelscherbe mit dem Abbild des Landgrafen, welche von Philipps Vermittlung im Streit und vom süßen Ostermontagsfrieden die Nachwelt erinnern wollte. Diana Härtrich vom LfD Dresden publizierte die Kachel, welche heute im Stadtmuseum glänzt,  im 2012 erschienen Vogtshausbuch und trug die Ergebnisse der archäologischen Funde im vergangenen Jahr hier eindrucksvoll vor. 


Im Roman erfährt Elisabeth vom großen Glück der Schlichtung im Schloss Rochlitz, wo seinerzeit ebenfalls Osterfladen gebacken wurden. Der Bischof,  ein Vetter des früheren  Vogtshausbesitzers Wolfgang von Schleinitz,  konnte gemäß dem Status quo wieder in Wurzen einziehen und bedankte sich bei Moritz, was in der umfangreichen Sammlung "Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz zu Sachsen" nachlesbar ist - eine wichtige Grundlage für die Fakten in Anja Zimmers Roman


Nicht belegt sind ein eiskaltes Lutherdenkmal zu dessen Lebzeiten in Wittenberg, wie auch zwei kastrierte Kater namens Kaiser Karl und Papst Paul, die friedlich auf Elisabeths Kissen im Rochlitzer Schloss schnurrten. Dies Beiwerk lässt jedoch den Leser schmunzeln, welcher später noch mit den Tränen zu kämpfen hat, wenn er mit unschuldigen Wandergesellen auf das blutige Schlachtfeld nach Falkenberg geführt wird, wo der Schmalkaldische Krieg nicht mehr glimpflich ausging, der Elisabeth zur Flucht zwang, zweien die Reichsacht und kaiserliche Gefangenschaft einbrachte, dem Kaisertreuen dagegen die Kurwürde und Landgewinne.


Oberbürgermeister Andreas Kretschmar zeigte sich stolz, dass Anja Zimmer, die heute in Köln lebt, aus der Ferne Oschatzer Geschichte schrieb, weshalb er sie am 15.5.2014 morgens im Rathaus empfing. 


Die Gäste am Abend erlebten einen Paukenschlag sächsischer Geschichte in Wort und Bild. Das Bild für das Buch lieferte der Wöllnauer Cranach-Jünger Volker Pohlenz.

Die Buchhandlung Roscher erfreute die große Nachfrage nach dem historischen Roman im kerzenbeleuchteten Original-Schauplatz-Haus des Oschatzer Friedens. Gert Jubisch brachte nach jahrelangem Buchstabenrätsel die Inschrift der tragenden Säule im Saal ebenfalls in Verbindung zum Friedensschlichter von 1542.

Frank Glabian, der Held an der Seite seiner starken Frau wertete als Hoflautenist am Schleinitzer Hof den Abend musikalisch auf und sang von einem kleinen wilden Vögelein.

Wir erinnern uns an die weißen Tauben, die wir zur Eröffnung aus dem friedlichen Haus haben fliegen lassen und wünschen, dass der "Oschatzer Frieden" noch weiter fliegt, als es eine Taube vermag. 

Herzlichen Dank an die charmante Botschafterin Anja Zimmer!


Grit Jähn

Vogtshaus Oschatz e.V.

Fotos: Gert Jubisch


 

Eine Autorenlesung mit Anja Zimmer

Anja Zimmer

-schwätzt hessisch

-schreibt Geschichte


Mehr von der  Autorin

auf der Website des Verlages:

www.frauenzimmer-verlag.de


25.04.2013 im Vogtshaus

24.04.2013 auf Schloss Thammenhain